Schäfer-Gretels-Felsen

Die Germannsche Familie gehörte zu den wohlhabenden Bauersleuten des Dorfes und konnte es sich leisten, Knecht und Magd in Diensten zu haben.
Die Magd hieß Gretel Schäfer und machte sich an einem Pfingst Freitag auf um Ihre Eltern auf dem Salzwoog zu besuchen.

Der Knecht aber, der schon seit langem ein Auge auf Gretel geworfen hatte, von ihr immer abgewiesen worden war, verhielt sich an diesem Tag auffallend zurückhaltend.
Nachmittags spannte der Knecht wortlos die Pferde vor den Wagen und fuhr den Eichhalder Weg hinauf zum Opferstein. Er spannte aus und belud den Wagen mit Holz. Gegen Abend traf er wieder im Dorf ein, entlud den Wagen und nahm von seinem Herrn lobende Worte wegen seines selbständigen Handelns entgegen.

Am nächsten Tag erhielt die Familie Germann unerwarteten Besuch von den Eltern ihrer Magd Gretel, die nach dem Verbleib ihrer Tochter fragten.
Germann erklärte den besorgten Eltern, dass Gretel tags zuvor gegen 4 Uhr nachmittags nach Salzwoog aufgebrochen sei und er das alles nicht verstehen könne.
Noch am Samstag wurde eine große Suchaktion eingeleitet, an der sich viele Dorfbewohner beteiligten. Auch der Gendarm aus Kaltenbach war dabei, als alle möglichen Wege nach Salzwoog abgesucht wurden. Doch Gretel blieb verschwunden, und nach einigen Tagen wurde die Suche nach dem vermissten Mädchen eingestellt.


Einige Monate später fand ein Schweinehirt Teile einer menschlichen Leiche. Bei näherem Hinsehen erkannte er die Kleider. Von der Beschreibung wusste er, dass sie die vermisste Gretel Schäfer getragen hatte. Dann sah er auch, dass noch weitere Teile in der Höhle lagen, die in den Fels hineinführte. Die Leiche hatte monatelang darin gelegen, ehe sie, von Füchsen und sonstigem Getier angefressen und schließlich von den Sauen herausgezerrt worden war.

Die Nachricht von dem Leichenfund ging wie ein Lauffeuer durch das Dorf, vielerlei Gerüchte kamen auf. Auch bei der Familie Germann machte sich ein schlimmer Verdacht breit. War es nur Zufall, dass der Fundort der Leiche und der Holzplatz des Knechtes so dicht beieinander lagen? Beweisen konnten sie ihrem Knecht die Untat jedoch nicht. Kurze Zeit später entließen sie ihn. Wohin er ging und was aus ihm geworden ist, niemand hat es erfahren. Das Verbrechen an Gretei Schäfer wurde nie aufgeklärt. Seit jener Zeit heißt der Felsen an der Eichhalde „Schäfer-Gretels-Felsen".

Quelle : Münchweiler an der Rodalb Eine Ortsgeschichte 
             Von Werner Dillenkofer